Minimalinvasive Kieferorthopädie: Warum orale Gewohnheiten frühzeitig behandeln?

0
Ortodoncia interceptiva: hábitos orales en niños

WISSENSCHAFTLICHE EVIDENZ | LESEZEIT: 1 MINUTE

Ein 2026 im Dental Press Journal of Orthodontics veröffentlichter Fachartikel untersucht, wie anhaltende orale Gewohnheiten im Kindesalter die Okklusionsentwicklung beeinflussen können und wie die kieferorthopädische Frühbehandlung einigen ihrer Folgen entgegenwirken kann.

Die Autoren untersuchten die Literatur zu nicht nutritivem Saugen, Zungeninterposition und Mundatmung sowie deren Zusammenhang mit einem frontal offenen Biss und einem seitlichen Kreuzbiss.

Der Artikel stellt einen Ansatz der minimalinvasiven Kieferorthopädie vor, der auf frühzeitiger Diagnostik, dem Abgewöhnen schädlicher Gewohnheiten und einfachen kieferorthopädischen Maßnahmen bei entsprechender Indikation beruht.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?

3 zentrale Punkte

  • Orale Gewohnheiten und Fehlstellungen: anhaltendes Daumen- oder Schnullerlutschen, Zungeninterposition und Mundatmung sind mit Veränderungen der dentoalveolären und maxillären Entwicklung assoziiert.
  • Frontal offener Biss: wenn er durch Sauggewohnheiten bedingt ist, kann deren frühzeitige Beendigung eine spontane Korrektur begünstigen. In einigen Fällen sind kieferorthopädische Frühbehandlungsapparaturen erforderlich.
  • Seitlicher Kreuzbiss: eine spontane Korrektur tritt seltener auf. Während des Wachstums kann eine Oberkieferexpansion notwendig sein.

Welche Bedeutung hat dies für die klinische Praxis?

Die zahnärztliche Untersuchung von Kindern sollte die Erfassung anhaltender oraler Gewohnheiten, die Beurteilung der Okklusion und die Untersuchung möglicher funktioneller Störungen umfassen.

Die Autoren betonen die Bedeutung einer interdisziplinären Betreuung, an der Kieferorthopäden, Kinderzahnärzte, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und Logopäden beteiligt sein können.

Wichtig: Bei diesem Artikel handelt es sich um eine konzeptionelle und klinische Übersichtsarbeit. Er belegt nicht, dass alle Kinder mit oralen Gewohnheiten Zahn- oder Kieferfehlstellungen entwickeln oder eine kieferorthopädische Behandlung benötigen. Die Entscheidung hängt von der individuellen Diagnose ab.

Originalartikel:
Minimally invasive orthodontic management: a paradigm shift in interceptive care. Part II – early management of oral habit-related malocclusions.

Autoren: Ana Cláudia de Castro Ferreira Conti und Kollegen.

Quelle: Wissenschaftlichen Originalartikel lesen